Verfügbarkeit

Zeichensprache der Seele

Friedrich Markus Huebner ( 1886-1964 ) Erst-Herausgeber
12,00 € *

Ist der Mensch, seine Ichheit, wirklich nur ein in sich geschlossenes System, als das es die Freudsche Psychologie uns darstellen möchte – ein bekanntes, analysierbares Wesen, wenn man nur seine Historie, seine bürgerliche Existenz hinlänglich exakt ermittelt und durchanalysiert?
Der Mensch als Funke Gottes, als Geist von Seinem Geist, ist weit mehr als eine bloße biologische, klar kalkulierbare funktionale Wesenheit. Für die Entfaltung überpersönlicher Kräfte ist die gewöhnliche Selbstgleichheitsfiktion der Schulpsychologie wenig förderlich. Ebenso ist es für ein tiefes Verständnis der Regungen der menschlichen Seele und damit des Wesens des ganzen Menschen unabdingbar, hinter die bloß vordergründigen Äußerungen des Charakters zu sehen. Die so eingeschlagene Bahn einer ganzheitlichen Seelenkunde, die als letztes Forschungsziel nicht mehr bei der persönlichen, sondern beim überpersönlichen Charakter des Menschen ansetzt, führt dagegen ins Unermeßliche.

ISBN 978-3-87667-273-1
59 S., kartoniert 


Friedrich Markus Huebner, geb. 1886 in Dresden, geriet über Heidelberg, wo er 1910 über die psychologischen Auffassungen Paul Bourget promoviert hatte, München, Italien als Dreißigjähriger nach Belgien, wo er im Kriegsdienst für das Auswärtige Amt tätig war. Eine interessante Frucht dieser Tätigkeit ist seine Denkschrift, gewissermaßen adressiert an das Auswärtige Amt der damaligen deutschen Regierung, die unter dem Titel „Weltpolitik mit geistigen Mitteln“ in Leipzig 1920 erschien. In Belgien erwachte neben dem Interesse für die flämische Kunst und Literatur auch sein Interesse für das nördliche Nachbarland, den Niederlanden, dem er zeitlebens eng verbunden blieb. Die niederländische Mentalität hatte es ihm angetan, teilte er später in einem Lebenslauf mit. Zudem war er der Auffassung, daß politische und kulturelle Entwicklungen und Ereignisse von „jenseits des Meeres“ sich, so Huebner, als erstes in den Niederlanden bemerkbar machen. „So erlaubt mir der Verbleib in Holland in geistiger Hinsicht ein vielfach beteiligtes Miterleben der Zeitenwechsel, was dazu beiträgt, daß man rein persönlich aufgeschlossen, rege und spannkräftig bleibt.“
„Technik“ ist für Huebner eher ein Schimpfwort, Natur, Ruhe, Ordnung und das oft nur unterschwellig wahrnehmbare, aber letztlich entscheidende Fluidum im Verkehr der Menschen untereinander waren sein Steckenpferd. (Siehe auch Christian Janssen: „Der Kulturvermittler Friedrich Markus Huebner: Kunst, Literatur und die richtige Lebensführung“. In: Duitse Kroniek 54: „Im Schatten der Literaturgeschichte. Autoren, die keiner mehr kennt? Plädoyer gegen das Vergessen. Hrsg. Von Jattie Enklaar und Hans Ester. Amsterdam und New York, Rodopi 2005, S. 173ff.)
Notizen zum Autoverkehr, zum Einfluß des Fernsehens, zu Ausflüglern, die sich am Straßenrand niederlassen waren Huebners letzte Bemühungen, das rasante, laute Nachkriegsleben durch besinnungsvolle Ratschläge abzubremsen; die entsprechende Schrift mit dem Arbeitstitel „Brot der Stille“ blieb ein Fragment. Auch sein geliebtes Holland war zu dieser Zeit längst auf dem Weg von der beschaulichen Idylle zu einer modernen Industriegesellschaft.

Benutzer, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch gekauft