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Niemand ist Einsam

Friedrich Markus Huebner (1886-1964) Erst-Herausgeber
12,00 € *

Sobald der Mensch fühlt, wie in ihm täglich und stündlich eine Macht hineinragt, die sich in keiner Weise seinem ich oder gar nur seiner bürgerlichen Existenz gleichsetzen läßt, erkennt er, daß die Einsamkeit auf Selbsttäuschung beruht. Niemand ist einsam! Im Augenblick, wo der Mensch die Umstellung seiner geistigen Gravitationsrichtung vornimmt, wird aus der bloß latenten Möglichkeit des inwendigen Gegenübers eine schöpferische – zwischen dem Ich und der Anderheit entstehen Wechselströme, von beiden Seiten her bahnt sich Spannung, bahnt sich ein polares Geben und Nehmen an. Der Mensch wird innerlich emporgezogen und von oben her zu neuem zauberischen Wachstum gedrängt.
Was wächst, ist seine fluidale Reichweite, seine Teilnahme und Teilhabe am Lebensganzen. Der Mensch gehört fortab nicht mehr nur dem sichtbaren, sondern auch dem unsichtbaren Naturreich, nicht mehr nur der Erde, sondern auch dem Himmel an.

ISBN 978-3-87667-272-4
55 Seiten, kartoniert


Friedrich Markus Huebner, geb. 1886 in Dresden, geriet über Heidelberg, wo er 1910 über die psychologischen Auffassungen Paul Bourget promoviert hatte, München, Italien als Dreißigjähriger nach Belgien, wo er im Kriegsdienst für das Auswärtige Amt tätig war. Eine interessante Frucht dieser Tätigkeit ist seine Denkschrift, gewissermaßen adressiert an das Auswärtige Amt der damaligen deutschen Regierung, die unter dem Titel „Weltpolitik mit geistigen Mitteln“ in Leipzig 1920 erschien. In Belgien erwachte neben dem Interesse für die flämische Kunst und Literatur auch sein Interesse für das nördliche Nachbarland, den Niederlanden, dem er zeitlebens eng verbunden blieb. Die niederländische Mentalität hatte es ihm angetan, teilte er später in einem Lebenslauf mit. Zudem war er der Auffassung, daß politische und kulturelle Entwicklungen und Ereignisse von „jenseits des Meeres“ sich, so Huebner, als erstes in den Niederlanden bemerkbar machen. „So erlaubt mir der Verbleib in Holland in geistiger Hinsicht ein vielfach beteiligtes Miterleben der Zeitenwechsel, was dazu beiträgt, daß man rein persönlich aufgeschlossen, rege und spannkräftig bleibt.“
„Technik“ ist für Huebner eher ein Schimpfwort, Natur, Ruhe, Ordnung und das oft nur unterschwellig wahrnehmbare, aber letztlich entscheidende Fluidum im Verkehr der Menschen untereinander waren sein Steckenpferd. (Siehe auch Christian Janssen: „Der Kulturvermittler Friedrich Markus Huebner: Kunst, Literatur und die richtige Lebensführung“. In: Duitse Kroniek 54: „Im Schatten der Literaturgeschichte. Autoren, die keiner mehr kennt? Plädoyer gegen das Vergessen. Hrsg. Von Jattie Enklaar und Hans Ester. Amsterdam und New York, Rodopi 2005, S. 173ff.)
Notizen zum Autoverkehr, zum Einfluß des Fernsehens, zu Ausflüglern, die sich am Straßenrand niederlassen waren Huebners letzte Bemühungen, das rasante, laute Nachkriegsleben durch besinnungsvolle Ratschläge abzubremsen; die entsprechende Schrift mit dem Arbeitstitel „Brot der Stille“ blieb ein Fragment. Auch sein geliebtes Holland war zu dieser Zeit längst auf dem Weg von der beschaulichen Idylle zu einer modernen Industriegesellschaft.

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